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Sollte euer M&A-Projekt ein Share Deal oder ein Asset Deal sein?

11/11/2021

Die Strukturierung einer Fusions- und Übernahmetransaktion (M&A) erfordert Entscheidungen auf vielen Ebenen. Ein wichtiger Aspekt sollte von allen Beteiligten von Anfang an bedacht und verstanden werden: Soll der Deal die Aktien eines Zielunternehmens oder (einen Teil) der Vermögenswerte eines Unternehmens betreffen?

Die Frage, der wir hier weiter nachgehen möchten, ist für viele (wenn nicht alle) Arten von Transaktionen relevant, insbesondere für Übernahmen, Fusionen, Abspaltungen und andere.

In diesem Beitrag erklären wir euch, was Share und Asset Deals sind und warum diese Entscheidung wichtig ist. Danach stellen wir euch die wichtigsten Vor- und Nachteile jeder Option vor, damit ihr zu gegebener Zeit eine bewusste Entscheidung treffen könnt.

Asset und Share Deals in Kürze

Bei einem „Asset Deal“ werden bestimmte Vermögenswerte und Verträge, die das Ziel des Deals sind, von einem Unternehmen oder einer Person auf ein anderes Unternehmen übertragen.

Der Erwerb eines Softwareunternehmens würde beispielsweise die Übertragung des Eigentums an Quellcode, Computern, Mobiliar, Softwarelizenzen, die im Rahmen der Geschäftstätigkeit genutzt werden, sowie Leasingverträgen, Kundenverträgen, Arbeitsverträgen, Marken usw. bedeuten.

Ein „Share Deal“ ist eine Transaktion, bei der die Parteien das Eigentum an den Anteilen einer bestimmten Gesellschaft übertragen, die Eigentümerin des zu übertragenden Unternehmens ist.

Um das vorherige Beispiel fortzuführen: Die Übertragung eines Softwareunternehmens kann durch die einfache Übertragung des Eigentums an die Gesellschaft erfolgen, in die es eingegliedert wird (d. h. das Eigentum an den Aktien).

Mögliche Spannungsursachen

Fusions- und Übernahmetransaktionen sind oft international, und die Praktiken sind von Land zu Land verschieden. In der Schweiz zum Beispiel ist es gängige Praxis, Aktiengeschäfte zu tätigen, während in den Vereinigten Staaten und Kanada Asset Deals bevorzugt werden. Dieser potenzielle Kulturkonflikt kann leicht zu Spannungen oder unterschiedlichen Erwartungen in der Anfangsphase des Geschäftsprozesses führen. 

Wir raten euch daher dringend, vorab zu klären, warum die einzelnen Parteien eine bestimmte Art von Transaktion bevorzugen, und die in diesem Beitrag dargelegten Erkenntnisse zu nutzen, um eine rationale Entscheidung treffen zu können. Wenn ihr die grundlegenden Interessen herausgefunden habt, wird es leichter sein, das Geschäft optimal und zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu gestalten.

Als Faustregel kann man sagen, dass Geschäfte in der Regel den kulturellen Neigungen des Ziellandes und damit auch meistens dem Rechtssystem des Verkäufers folgen.

Vor- und Nachteile von Share Deals

Die Vorteile eines Share Deals lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Abwicklung ist einfacher und billiger, weil nur eine Art von Vermögenswerten übertragen wird (d. h. die Aktien des Zielunternehmens, deren Übertragung ein unkomplizierterer Prozess ist).
  • Alles, was für das Unternehmen benötigt wird, wird einfach und automatisch auf den Erwerber übertragen.
  • Bei internationalen Fusionen und Übernahmen erwirbt der Erwerber ein bestehendes Unternehmen im Land des Zielunternehmens und erspart sich so die Mühe, selbst ein Unternehmen gründen zu müssen. Ausserdem verleiht ihm ein bestehendes Unternehmen Glaubwürdigkeit (z. B. bei Gesprächen mit Banken, um eine Finanzierung zu erhalten).
  • Sollte der Käufer nicht alle Anteile eines bestimmten Unternehmens erwerben wollen, ist es möglich, bestimmte Vermögenswerte, Verträge oder Geschäftsbereiche vor Abschluss des Geschäfts auszugliedern.
  • Zumindest in der Schweiz sind Asset Deals wesentlich steuereffizienter. Insbesondere:
    • Sie ermöglichen es (in der Schweiz ansässigen) natürlichen Personen, von der Steuerbefreiung für Veräusserungsgewinne Gebrauch zu machen;
    • Sie ermöglichen es in der Schweiz ansässigen Unternehmen, die verkaufen, die Ermässigung für Beteiligungen in Anspruch zu nehmen.
  • Dritte (Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter) treten weiterhin mit demselben Unternehmen in Kontakt, was die Transaktion für das Unternehmen reibungsloser macht.

Die Nachteile von Share Deals sind vor allem die folgenden:

  • Der Erwerber erwirbt das Zielunternehmen mit seiner gesamten Geschichte, einschliesslich möglicher unbekannter Verbindlichkeiten und Forderungen.  Das macht solche Transaktionen auf dem Papier risikoreicher. Diese Risiken sind in Nordamerika viel ausgeprägter (oder werden zumindest als solche wahrgenommen), was der Hauptgrund dafür ist, dass Geschäftsleute aus diesem Kulturkreis Share Deals oft ablehnen.
  • Eine gründlichere Due-Diligence-Prüfung ist oft erforderlich, damit der Erwerber seine Risiken angemessen einschätzen kann. In Verbindung mit fairen Zusicherungen und Garantien in den Vertragsunterlagen kann der Erwerber so jedoch seine Risiken mindern.
  • Share Deals eignen sich oft nicht für M&A-Transaktionen in Notlagen geeignet, zu denen im Allgemeinen Transaktionen mit einem finanziell angeschlagenen Zielunternehmen gehören. Das liegt daran, dass die Ausgliederung von Verbindlichkeiten und unproduktiven Vermögenswerten aufgrund von Konkurs- und Strafbestimmungen problematisch sein könnte.

Vor- und Nachteile von Asset Deals

Die Vorteile von Asset Deals sind vor allem die folgenden:

  • Der Erwerber kann sich die Vermögenswerte und Verträge aussuchen, die er haben möchte.
  • Die Geschichte und die versteckten Verbindlichkeiten des Zielunternehmens werden nicht mit der Transaktion weitergegeben, sodass das Risiko des Käufers in der Regel weitaus geringer ist.

Die Nachteile von Asset Deals sind leider zahlreicher:

  • Asset Deals sind in der Regel technischer, langwieriger und kostspieliger in der Durchführung.
  • Die Öffentlichkeit ist weniger kontrollierbar, da alle Vertragspartner der zu übertragenden Verträge über die Transaktion informiert werden müssen.
  • Viele Vertragspartner werden die Möglichkeit haben, ihre Verträge aufgrund der Transaktion zu kündigen, was zu Unsicherheiten und Risiken für beide Parteien führt.
  • Asset Deals haben in der Regel grössere steuerliche Konsequenzen, vor allem für die Verkäufer.  Die Realisierung von stillen Reserven und Veräusserungsgewinnen ist nämlich, kurz gesagt, als Gewinn bei der (schweizerischen) verkaufenden Gesellschaft steuerpflichtig. Die anschliessende Ausschüttung dieser Erlöse an die Aktionäre der verkaufenden Gesellschaft in Form von Dividenden löst dann bei diesen Aktionären eine Einkommenssteuer aus (die jedoch je nach Ausgestaltung reduziert werden kann).
  • Die veräussernde Gesellschaft bleibt bestehen, wobei der Name des Unternehmens in der Regel verkauft wurde und von den historischen Gründern gehalten wird. Da Wettbewerbsverbote nicht unbegrenzt gelten können, besteht bei einem Asset-Deal ein höheres Risiko, dass die Verkäufer eines Tages ein Unternehmen unter demselben Namen neu gründen könnten. Die wichtigste Grenze hierfür wäre der unzulässige Wettbewerb, aber selbst im Falle eines Verstosses ist das Risiko, einen Rechtsstreit führen zu müssen, ein grosser Nachteil.

Die wichtigsten Erkenntnisse in Kürze

Häufig wird angenommen, dass ein Share Deal eine Option zugunsten des Verkäufers und ein Asset Deal eher eine Option zugunsten des Käufers ist. Daher führt diese Diskussion zu Beginn eines bestimmten M&A-Projekts oft zu einem Machtspiel, bei dem eine Partei den Eindruck hat, ein Zugeständnis gemacht zu haben. Die Stimmung der gesamten anschliessenden Verhandlung kann dadurch leider getrübt werden.

Wir sind der Meinung, dass – zumindest bei Transaktionen nach Schweizer Recht – Share Deals fast immer für alle Parteien vorteilhafter sind, da insgesamt weniger Reibungen entstehen und der Deal somit effizienter gestaltet werden kann und einen Mehrwert für alle Beteiligten schafft.

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