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Der Firmenausstieg (Exit) und wie ihr euch darauf vorbereitet

06/12/2021

Selbst traditionelle KMU-Gründer, die ein Unternehmen aufbauen, das ihre gesamte Karriere überdauern soll, werden sich eines Tages zurückziehen und sich fragen, was sie mit ihrem Unternehmen tun sollen. Das gilt umso mehr für wachstumsstarke Start-ups, deren Gründer oft schon nach ein paar Jahren aussteigen wollen.

Es gibt viele Möglichkeiten für Gründer, aus einem Unternehmen auszusteigen, von der Nachfolge an ein Familienmitglied bis hin zu einem IPO (Initial Public Offering) sowie dem Verkauf an strategische Investoren oder Manager. Ziel dieses Blogbeitrags ist es, Gründern eine grobe Vorstellung davon zu geben, welche Arten des Ausstieges es gibt, und ihnen konkrete Instrumente vorzustellen, um sich so früh wie möglich darauf vorzubereiten. 

Für den Fall Exit unterscheiden wir zwischen zwei Unternehmenskategorien: einerseits Unternehmen, die ihr Wachstum mit Eigenkapital finanzieren müssen, und andererseits Bootstrapped-Unternehmen, bei denen die Ressourcen der Gründer ausreichen, um das angestrebte Wachstum ohne Verwässerung ihrer Anteile zu erreichen.

Typische Exits für eigenkapitalfinanzierte Unternehmen

Eigenkapitalfinanzierung im Allgemeinen

Hier beziehen wir uns auf Unternehmen, die von Drittinvestoren Mittel im Austausch gegen Eigenkapital (in der Regel in Form von Aktien) erhalten haben. Typischerweise handelt es sich dabei um Tech-Start-ups oder Scale-ups, die Fremdmittel benötigen, um ihr Produkt auf den Markt bringen zu können oder ihr Geschäft zu vergrößern. 

Generell sind Eigenkapitalinvestoren – unabhängig von ihrem bevorzugten Reifestadium – recht risikoscheu. Dies drückt sich in der Bereitschaft aus, in Unternehmen mit einwandfreien Managementprozessen und -abläufen zu investieren, insbesondere bei Investitionen in späteren Investmentphasen. Das liegt daran, dass chaotische Betriebsabläufe und Prozesse oft als Zeichen für tiefer liegende Probleme des Zielunternehmens angesehen werden. 

Ein gutes Beispiel ist ein Unternehmen, das keine schriftlichen Arbeitsverträge hat: Aus rechtlicher Sicht ist das zwar legal, erhöht aber die Ungewissheit und das Risiko für einen potenziellen Investor im Hinblick auf mögliche Rechtsstreitigkeiten im Personalbereich. Dieses spezielle Beispiel muss nicht unbedingt zum Scheitern des Geschäfts führen, aber um das Risiko zu berücksichtigen, könnte es zu einer niedrigeren Bewertung vor dem Kauf kommen.

Risikokapitalgeber streben in der Regel einen hohen Exit innerhalb eines kurzen Zeitraums an. Gründer sollten sich darüber im Klaren sein, dass ihre Investoren in der Regel auf ein schnelles Wachstum und einen raschen Ausstieg drängen, so dass ihre jeweiligen Vorstellungen aufeinander abgestimmt werden müssen. 

Typische Exits für eigenkapitalfinanzierte Unternehmen

Da Unternehmen meist eine Eigenkapitalfinanzierung auf der Grundlage einer geplanten steilen Wachstumskurve erhalten, sind sie in der Regel exponentiell gewachsen, wenn sie die Exit-Phase erreichen. Ihr Unternehmenswert ist zu diesem Zeitpunkt oft so hoch, dass der Kreis der potenziellen Käufer eingeschränkt ist. 

Dadurch wird die Möglichkeit eines Verkaufs an Einzelpersonen (z. B. an die Unternehmensleitung) oder an KMU weitgehend ausgeschlossen. Typische Ausstiegsmöglichkeiten für eigenkapitalfinanzierte Unternehmen sind daher die folgenden:

  • Strategischer Buy-out von einem bestehenden Investor: Sollte einer der Anteilseigner aus strategischen Erwägungen heraus investiert haben (sein Geschäft ist mit dem des Zielunternehmens verbunden, z. B. als Wettbewerber, Kunde, Lieferant usw.), könnte er daran interessiert sein, die anderen Anteilseigner, einschließlich der Gründer, aufzukaufen.
  • Strategische Beteiligung: Strategische Investitionen in euer Unternehmen könnten in Form eines Kaufs des gesamten Aktienkapitals durch eine dritte Partei erfolgen. Dies könnte eine sehr interessante Ausstiegsstrategie sein, vor allem wenn die bestehenden Investoren eures Unternehmens hauptsächlich aus finanziellen Erwägungen heraus eingestiegen sind.
    Ein typisches Beispiel für einen strategischen Buy-in wäre der Kauf eines wachstumsstarken Software-Scale-ups durch eines der so genannten GAFAM Big Tech-Unternehmen.
  • Börsengang: Wenn euer Unternehmen stark gewachsen ist, könnte ein möglicher Ausstieg der Börsengang sein. Diese Art des Ausstiegs ist recht selten, und es ist sehr schwer vorherzusehen, ob dies eine realistische Option ist, bevor das Unternehmen nicht ein recht spätes Wachstumsstadium erreicht hat.

Wie ihr euch auf diese Ausstiege vorbereitet

All diesen Ausstiegsplänen ist gemein, dass sie von Personen durchgeführt werden, die mit dem Kauf von Unternehmen vertraut und gut beraten sind. Daher werden sie bei der Due-Diligence-Prüfung akribisch vorgehen und in der Regel kleine Mängel in eurer Struktur, eurem Management oder eurer Betriebsführung als Anzeichen für ein hohes Risiko betrachten. Darüber hinaus könnten kleine Probleme, die sie als riskant ansehen, ausreichen, um das Geschäft platzen zu lassen oder den Unternehmenswert stark zu verringern.

Unternehmen, die von diesen Exits betroffen sind, sollten sich daher um eine einwandfreie und umfassende Unternehmensführung und -dokumentation bemühen, gut strukturiert sein und sicherstellen, dass das Risiko minimiert wird. Beispiele für Themen, auf die das Managementteam achten sollte, sind:

  • Corporate Housekeeping:
  • Jährliche Hauptversammlungen;
  • Vierteljährliche Vorstandssitzungen von Anfang an, in denen die Tätigkeiten des vergangenen Quartals und die Aussichten für das nächste Quartal erörtert und dokumentiert werden;
  • Jede Entscheidung, die in die Zuständigkeit des Verwaltungsrats fällt, wird in Form eines Beschlusses oder eines Protokolls dokumentiert;
  • Delegation von Aufgaben an die Geschäftsführung auf der Grundlage eines klaren Reglements des Verwaltungsrats;
  • Personalangelegenheiten (ein gut durchdachter Arbeitsvertrag und gute Mitarbeiterführung, klare interne Mitarbeiterregeln und -vorschriften)
  • Erstellung und Überprüfung schriftlicher Verträge für die Beziehungen des Unternehmens zu seinen Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern;
  • Einführung und Durchsetzung von Datenschutzrichtlinien;
  • andere regulatorische Fragen sind geklärt und werden angemessen behandelt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Käufer von eigenkapitalfinanzierten Unternehmen ist die Tatsache, dass der gesamte Unternehmenswert bei Abschluss des Geschäfts erfasst wird. Das bedeutet, dass das Know-how und das Geschäft des Unternehmens so weit wie möglich nicht mit den Gründern verbunden sein sollten. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte das Geschäft ganz abgebrochen werden oder zumindest der Unternehmenswert stark abgewertet werden. Ausserdem könnten die Gründer gezwungen sein, nach dem Abschluss ihres Ausstiegs noch viel länger im Unternehmen zu bleiben.

Die Gründer sollten daher von Anfang an anstreben, den gesamten Unternehmenswert in das Unternehmen zu stecken und es von ihrer Person unabhängig zu machen. Je nach Tätigkeitsbereich können die folgenden Taktiken in Betracht gezogen werden:

  • Entwicklung digitaler Marketingstrategien, anstatt sich auf die Netzwerke der Gründer zu verlassen, um das Geschäft des Unternehmens unabhängig von den Gründern auszubauen;
  • Dokumentation des Know-hows der Gründer und Schaffung von Prozessen, die nach dem Ausscheiden der Gründer von anderen qualifizierten Personen ausgeführt werden können;
  • die Schaffung von Redundanzen für die wesentlichen Funktionen des Unternehmens; und
  • ausreichende Anreize zu schaffen, um die wichtigsten Mitarbeiter des Unternehmens zu halten.

Typische Exits für Bootstrapped Ventures

Bootstrapped Ventures

Ein „Bootstrapped“-Unternehmen ist ein Unternehmen, dessen Eigenkapital durch die Ressourcen seiner Gründer finanziert wurde. Die meisten traditionellen KMU in der Schweiz sind „bootstrapped“, ebenso viele (Tech-)Startups. 

Das ist entweder möglich, weil die Gründer Zugang zu beträchtlichen Ressourcen haben, oder weil das Zielunternehmen keine hohen Anlaufkosten benötigt, bevor sein Produkt oder seine Dienstleistung auf den Markt kommt. 

Ein Beispiel für ein Bootstrapped-Tech-Startup wäre ein Startup, das von Personen gegründet wird, die bereits Software entwickelt haben, die sich in der Betaphase befindet (in der Regel im Rahmen einer Promotion). Sie sind nicht auf wichtige externe Ressourcen angewiesen, um ein zufriedenstellendes organisches Wachstum zu erzielen, und benötigen daher möglicherweise keine Eigenkapitalfinanzierung.

Der Nachteil des Bootstrapping ist, dass das Wachstum langsamer oder zumindest weniger steil sein kann. Der Vorteil ist, dass die Gründer 100 % der Anteile an ihrem Unternehmen behalten.

Auf der Grundlage der obigen Ausführungen und unter der Voraussetzung, dass das angestrebte Geschäftsmodell dies zulässt, ist es ratsam, wenn möglich auf eine Eigenkapitalfinanzierung zu verzichten.

Typische Exits für Bootstrapped-Unternehmen

Das Wachstum eines Bootstrapped-Unternehmens ist oft weniger exponentiell als das eines eigenkapitalfinanzierten Unternehmens, so dass die Ausstiegsmöglichkeiten etwas anders aussehen und eine größere Bandbreite an potenziellen Käufern umfassen.

Typische Ausstiegsmöglichkeiten für Bootstrapped-Unternehmen sind die folgenden:

  • Ein Management-Buy-out (MBO) ist ein Ausstieg, bei dem die bestehenden Unternehmensmanager (die Aktionäre sein können oder auch nicht) das Unternehmen von seinen Gründern erwerben. Der Vorteil dieser Art des Ausstiegs besteht darin, dass der Käufer das Unternehmen genau kennt und daher (i) nur sehr wenig Due-Diligence-Prüfung erforderlich ist, (ii) die Übergabe schrittweise erfolgen kann und (iii) die von den Gründern abgegebenen Zusicherungen und Garantien begrenzter sein können. Die Schwierigkeit bei MBOs kann die Finanzierung des Kaufpreises sein, der oft durch ein Darlehen eines Dritten (Bank) oder der verkaufenden Gründer gehebelt werden muss. 
  • Management-Buy-Ins oder MBIs sind MBOs ähnlich, aber die neuen Manager werden erst nach Abschluss der Transaktion in das Unternehmen eingebunden. Es handelt sich also um eine Form der strategischen Übernahme durch eine natürliche Person, die ihr Unternehmen besitzen möchte.

MBI haben oft das gleiche Finanzierungsproblem wie MBOs, bieten aber nicht die gleichen Vorteile in Bezug auf die Einfachheit, da der Erwerber das Unternehmen nicht kennt.

  • Strategische oder finanzielle Beteiligung: Da Bootstrapped-Unternehmen per Definition im Besitz ihrer Gründer sind, werden strategische oder finanzielle Käufe von einer Person getätigt, die zuvor nicht als Anteilseigner beteiligt war. Das bedeutet, dass solche Käufer sich mit dem Unternehmen vertraut machen und sicher sein müssen, dass das Unternehmen nach dem Ausscheiden der Gründer ohne größere Risiken weitergeführt werden kann. 
  • Traditionelle Nachfolge in der Familie oder durch nahestehende Personen, die oft sogar unentgeltlich erfolgen kann (d. h. an die Kinder des Gründers). Bei dieser Art von Transaktionen ist oft ein progressiver und maßgeschneiderter Übergang möglich, was sie von anderen unterscheidet und erleichtert. Steuerliche Erwägungen bestimmen häufig die Struktur und den Prozess bei diesen Ausstiegen.

Wie bereitet man sich auf den Ausstieg eines Bootstrapped-Unternehmens vor?

Bootstrapped-Unternehmen können in der Regel mit einer einfacheren Organisation auskommen, da sie sich nicht an die spezifischen Anforderungen von Kapitalgebern anpassen müssen. So kann beispielsweise die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine interessante Option sein (da das gesetzliche Mindestkapital CHF 20’000.- und nicht CHF 100’000.- beträgt).

Wir raten Bootstrapped-Unternehmen nach wie vor dringend, klare, sichtbare und gut gepflegte Geschäfts- und Rechtsprozesse zu etablieren. Dass ist besonders wichtig, wenn eine Übernahme in Frage kommt, sei es in strategischer, finanzieller oder Management Hinsicht. Diese Käufer werden nämlich die Gelegenheit nutzen, um einen Abschlag auf die Bewertung des Unternehmens zu gewähren oder von bestimmten Zahlungen abzuweichen, sofern sie zu solchen Forderungen legitimiert sind. Als Argumente werden häufig unklare Abläufe, Risiken jeglicher Art oder die Tatsache angeführt, dass die Gründer wesentlich am Erfolg des Unternehmens beteiligt sind.

Wenn ihr der Meinung seid, dass ein MBO oder eine traditionelle Nachfolge die wahrscheinlichsten Optionen sind, raten wir euch, die potenziellen Nachfolger so früh wie möglich in die Unternehmensführung einzubeziehen. Auf diese Weise gebt ihr ihnen einen Vorgeschmack auf ihre Zukunft und gestaltet die Übergabe sehr progressiv, was den Übergang für alle Beteiligten (einschließlich der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten) erleichtert. Indem ihr eure Nachfolger in die Unternehmensführung einbezieht, lernen sie auch die Abläufe des Unternehmens kennen, so dass ihr die Formalitäten etwas lockerer sehen könnt. Um eure potenziellen Nachfolger einzubinden, könnt ihr die Einführung von ESOPs in Erwägung ziehen und die betreffenden Personen in die Unternehmensführung einbeziehen, indem ihr ihnen beispielsweise einen Sitz im Verwaltungsrat einräumt.

Zusammenfassung https://www.zealy.ch/

Von Anfang an sollten die Gründer versuchen, ihre langfristigen Ziele, einschließlich des Ausstiegs, so gut wie möglich zu erkennen. Sie sollten jedoch ihre Ausstiegserwartungen ständig an die Entwicklung des Unternehmens anpassen. So könnte beispielsweise ein großer Kunde oder ein Zuschuss die Notwendigkeit einer Eigenkapitalfinanzierung verringern und ein ausreichendes organisches Wachstum ermöglichen, wodurch sich die Ausstiegsperspektiven ändern könnten.

In der Praxis empfehlen wir Gründern, umfassende und ehrliche langfristige Finanzprognosen für die Entwicklung ihres Unternehmens als Teil ihres Geschäftsplans zu erstellen. Auf diese Weise erhalten sie einen Überblick über das angestrebte Wachstum und die dafür erforderlichen finanziellen Mittel und können auf der Grundlage dieser Informationen entscheiden, ob ein Bootstrapping des Unternehmens eine Option ist oder ob eine Eigenkapitalfinanzierung erforderlich ist. 

Ist die Notwendigkeit einer Eigenkapitalfinanzierung wahrscheinlich, sollten die Prozesse sowie die gesellschaftsrechtliche und juristische Organisation von Anfang an so sauber wie möglich sein. Darüber hinaus sollte das Unternehmen so weit wie möglich in Form einer Aktiengesellschaft gegründet werden, die sich viel besser für eine Eigenkapitalfinanzierung eignet (insbesondere wegen der möglichen Flexibilität der Kapital- und Führungsstruktur). Um die Bewertung zu maximieren, sollten die Gründer außerdem bestrebt sein, den Erfolg des Unternehmens von sich selbst abhängig zu machen.

Wenn die Gründer glauben, dass Bootstrapping möglich ist, können sie eine leichtere Struktur in Betracht ziehen. Die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (société à responsabilité limitée) ist eine Option, die einen geringeren Kapitalbedarf ermöglicht (CHF 20’000.- anstelle von CHF 100’000.- für eine Aktiengesellschaft). Die rechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen müssen nach wie vor einen sicheren Betrieb des Unternehmens ermöglichen, können aber etwas weniger umfangreich und detailliert sein. Schliesslich sollten potenzielle Nachfolger des Unternehmens frühzeitig in Betracht gezogen werden, damit sie so eingebunden werden können, dass der Ausstieg erleichtert wird.

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