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Start & Wachstum 1/4: Rechtsgrundlagen für Startups richtig aufsetzen

17/01/2021

Rechtlicher Leitfaden für Unternehmer in der Schweiz

Das rechtliche Set-up von Unternehmen ist wie der Torwart beim Fussball: Er gewinnt das Spiel nicht, kann aber definitiv verhindern, dass das Spiel verloren geht. Wenn Unternehmer eine Gesellschaft gründen oder ihr Unternehmen skalieren, sollte immer darauf geachtet werden, dass das rechtliche Grundgerüst richtig aufgesetzt ist. Damit kann sichergestellt werden, dass weder Geld und Zeit noch Schlaf verloren geht und man sich stattdessen auf den Aufbau der Gesellschaft konzentrieren kann.

In dieser „Start and Grow“ Blogserie zeigen wir, wie Unternehmer den grössten Nutzen aus ihrem rechtlichen Set-up ziehen können, wie sie sich und ihr Unternehmen schützen und gleichzeitig die Kosten (Zeit und Geld) minimieren können: Von der Gründung über Finanzierungsrunden bis hin zu Mitarbeiterbeteiligungsplänen und Datenschutz-Compliance erfahren Unternehmer in dieser Blogserie, was funktioniert und was nicht, basierend auf unserer Erfahrung mit hunderten von Startups. 

Zunächst stellen wir das LEXR Legal Framework vor (C-RICH), mit dem Unternehmer rechtliche Herausforderungen einfach erkennen können: Das Framework basiert auf fünf Rechtsgebieten und drei Problemtypen, die jedem Nicht-Juristen helfen, Probleme schnell zu erkennen. Anschliessend vergleichen wir die verschiedenen Lösungsoptionen und geben einen kleinen Einblick in unsere LEXR Grundprinzipien.  

1 Die fünf Rechtsbereiche (C-RICH)

Um rechtliche Probleme zu erkennen, ist es wichtig zu verstehen, wo sie auftreten können. Im Allgemeinen gibt es fünf Rechtsbereiche, mit denen sich jedes Unternehmen auseinandersetzen muss:

  • Unternehmensrecht (Corporate): Die Macht- und Geldstruktur des Unternehmens und die Ursache vieler Startup-Fehltritte. Wer bekommt welches Stück vom Kuchen, wer bringt das Geld und wer trifft die wichtigen Entscheidungen? 
  • Regulatorisches (Regulatory): Die staatlichen Vorschriften, die für das Unternehmen gelten. Wenn Unternehmer sich fragen, warum niemand sonst die Art von Geschäft betreibt, welches sie betreiben möchten, sind regulatorische Einschränkungen oft die Antwort. Neben dem Datenschutz, der für fast alle Unternehmen relevant ist, sind andere Regulierungen oft sehr branchenspezifisch und reichen von der Finanzmarktregulierung bis zur Lebensmittelsicherheit. 
  • Geistiges Eigentum (IP): Als wertvollstes Gut vieler Unternehmen geht es beim geistigen Eigentum von Unternehmen rechtlich darum, ihre Marken, Patente, Urheberrechte, Daten und allgemeines Know-how vor potenziellen Wettbewerbern zu schützen. 
  • Verträge (Contracts): Als rechtliche Grundlage für die Beziehung zu Kunden, Lieferanten und Partnern werden Verträge in der Regel nur dann genauer unter die Lupe genommen, wenn es zu Streitigkeiten kommt. Verträge aufzusetzen, wenn die Zeiten gut sind empfiehlt sich, damit Unternehmer dann sicher sind, wenn die Beziehung ins Negative kippt.  
  • Arbeitsrecht (HR): Talente zu finden und langfristig an das Unternehmen zu binden ist der Schlüssel zum Erfolg. Eine solides rechtliches Set-up hilft Unternehmen dabei und hilft das Risiko zu minimieren sollte es einmal nicht klappen.

2 Die drei verschiedenen rechtlichen Problemtypen

Nicht alle rechtlichen Probleme sind gleich – vom Management der täglichen rechtlichen Aufgaben bis hin zu strategisch wichtigen Entscheidungen gibt es drei Haupttypen rechtlicher Probleme: 

  1. Strategische rechtliche Probleme (Experten sind gefragt): Die seltenen Unternehmensfragen, bei denen es um alles geht – ohne Spielraum für Fehler.   
  • Beispiele: Geschäftsstreitigkeiten, bei denen viel auf dem Spiel steht, Anfragen der Behörden, Patentanmeldungen.
  • Wie man sie löst: Da strategische Rechtsfragen in der Regel teuer zu lösen sind, gibt es zwei Ansätze:
    • Grundsatz: Rechtsprobleme wo immer möglich vermeiden (insbesondere geschäftliche Streitigkeiten und Anfragen der Behörden sind oft nur ein Symptom für vernachlässigte alltägliche Rechtsaufgaben).
    • Ausnahme: Wenn sich strategische Rechtsfragen nicht vermeiden lassen (z. B. bei Patentanmeldungen), ist es wichtig möglichst früh mit einem Experten zu sprechen. Die Erfahrung eines Experten in diesen Themen kann über Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens entscheiden.  
  • Wie wir strategische Rechtsprobleme bei LEXR lösen: In unserem Team haben wir Experten für die meisten Rechtsgebiete. Dort, wo wir die Expertise nicht selbst haben greifen wir auf unser grosses Netzwerk von Anwälten, Treuhändern und Steuerexperten zurück und helfen Unternehmern dabei diesen gezielt die richtigen Fragen zu stellen, um die Rechtskosten so niedrig wie möglich zu halten. 

2. Rechtliche Projekte (wurden schon zuvor gelöst): Es gibt juristische Aufgaben, die im Unternehmen nur einmal oder ein paar Mal anstehen, die aber schon viele andere Unternehmen zuvor gelöst haben. 

  • Beispiele: Finanzierungsrunden, Aufsetzen eines Mitarbeiterbeteiligungsplans, Erfüllung der DSGVO Datenschutzrichtlinien.   
  • Wie man sie löst: Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Unternehmer sollten sich an das halten was für andere zuvor schon funktioniert hat. Am besten verlässt man sich hier auf bewährte Verfahren und etablierte Standards.  
  • Wie wir rechtliche Projekte bei LEXR lösen: In unseren Flat Fee Rechtspaketen haben wir die Erfahrung von hunderten von Fällen einfliessen lassen. Der Best-Practice Standard, der daraus entstanden ist, wird dann auf die speziellen Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten.   

3. Rechtliche Prozesse („Tagesgeschäft“): Das sind die alltäglichen rechtlichen Prozesse und Fragen, mit denen das Unternehmen konfrontiert ist.

  • Beispiele: Überprüfung von Kaufverträgen, Ernennung eines neuen Vorstandsmitglieds, Einstellung eines neuen Mitarbeiters.
  • Wie man sie löst: Automatisieren und Standardisieren. Solide Prozesse und gute Vorlagen sind der Schlüssel, um sicherzustellen, dass sich die täglichen rechtlichen Abläufe nicht zu grösseren Problemen entwickeln. Es lohnt sich in ein solides Setup zu investieren und die Mitarbeiter zu schulen (z.B. Vertrieb, Einkauf, HR). 
  • Wie wir tägliche Rechtsaufgaben bei LEXR lösen: Mit unseren Best Practices und unserer Automatisierungssoftware für „Inhouse Prozesse“ übernehmen wir die alltäglichen Rechtsaufgaben auf Basis von Monatsabos und helfen so bei deren Management und bei der Optimierung interner rechtlicher Unternehmensprozesse.   

3 Das LEXR Legal Framework

Für das LEXR Legal Framework haben wir die fünf Rechtsgebiete und die drei Problemtypen kombiniert. Mit dieser einfachen Übersicht können Unternehmer rechtliche Probleme auf einen Blick kategorisieren und entscheiden, wer sich wie damit befassen soll. Ausserdem stellt das Framework sicher, dass Unternehmen beim rechtlichen Set-up oder bei wiederkehrenden rechtlichen Prüfungen keinen kritischen Bereich vergessen.

Vervollständigt das Framework für euer Unternehmen – die leere Version kann ganz einfach hier heruntergeladen werden.

CorporateRegulatoryIPContractsHR
HOCHWAS: Gründerstreitigkeiten, Fusionen, Exits, IPO

Wer: Aktionäre, Verwaltungsratmitglieder

Wie: Mindestens eine Expertenmeinung einholen
Was: Geschäftskritische Lizenzen, regulatorische -Nachforschungen

Wer: Management, Compliance Team

Wie: Mindestens eine Expertenmeinung einholen
What: Patentanmeldungen, streitigkeiten

Wer: Management

Wie: Mindestens eine Expertenmeinung einholen
What: Streitigkeiten, Strategische Partnerschaften

Wer: Management (mit Verkaufs- oder Einkaufsteam)

Wie: Mindestens eine Expertenmeinung einholen
Was: Aufsetzen des Pensionsfunds, Massenentlassung

Wer: Management

Wie: Expertenmeinung einholen
MITTELWas: Finanzierungsrunden, Aktionärsbindungsverträge

Wer: Aktioäre, Verwaltungsratmitglieder

Wie: Fixpreis beim Rechtsdienstleister des Vertrauens anfragen
Was: Datenschutzkompliance usw.

Wer: Compliance Team

Wie: Fixpreis beim Rechtsdienstleister des Vertrauens anfragen
Was: Markenregistrierung, Lizenzverträge

Wer: Dedizierte IP Person

Wie: Fixpreis beim Rechtsdienstleister des Vertrauens anfragen
Was: Revision der Geschäftsbedingungen, grosse Einkaufsverträge, Beendigung von Verträgen

Wer: Verkauf, Einkauf
Wie: Fixpreis beim Rechtsdienstleister des Vertrauens anfragen
Was: Mitarbeiterbeteiligungen, Bonuspläne, Kündigung von Managementmitgliedern

Who: Personalabteilung, Management

Wie: Fixpreis beim Rechtsdienstleister des Vertrauens anfragen
TIEFWas: Mitarbeiteraktientabelle, Mutationen, Generalversammlung

Wer: Verwaltungsratmitglieder, CEO

Wie: Solide Vorlagen nutzen oder an spezialisierte Servicedienstleister auslagern
Was: Tägliche Compliance-Augaben (z.B. KYC)

Wer: Compliance Team

Wie: Automatisieren oder an spezialisierten Dienstleister auslagern
Was: Erneuerungen, Überwachung

Wer: Dedizierte IP Person

Wie: Automatisieren oder an spezialisierten Dienstleister auslagern
Was: Tagtägliche Vertäge

Wer: Verkauf, Einkauf

Wie: Prozesse für Vertragsautomatisierung, digitale Signaturen und Dateninsights aufsetzen
Was: Einstellen / Entlassen, tagtäglicge Fragen

Wer: Personalabteilung

Wie: Solide Vorlagen nutzen oder an spezialisierte Servicedienstleister auslagern

4 Verschiedene Lösungen von Rechtsproblemen im Vergleich

Von Dokumentenplattformen bis hin zu traditionellen Anwaltskanzleien – verschiedene Arten von Problemen erfordern verschiedene Arten von Lösungen. Hier sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lösungen die momentan angeboten werden:

Do-it-yourself (gut für Bootstrapping, hohe Opportunitätskosten): Mit einer Fülle von online verfügbaren rechtlichen Ratschlägen, einem Onkel, der Jura studiert hat, und günstigen Plattformen für Dokumentenvorlagen ist es einfacher als je zuvor rechtliche Probleme (vermeidlich) zu lösen. Zusätzlich gibt es immer mehr spezialisierte Software, z.B. für das Vertragsmanagement, die hilft, juristische Arbeit effizienter zu managen.

Sich in all die verschiedenen Themen einzulesen und alles richtig einzurichten, kann jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen, die besser in die Entwicklung oder das Fundraising investiert werden könnte. In der Praxis sehen wir leider auch regelmässig, dass Fehler gemacht werden, die später teuer behoben werden müssen.   

Einstellen eines Unternehmensjuristen (für regulierte Branchen): Im Unternehmen einen Anwalt (oder gleich ein ganzes Team von Anwälten) einzustellen ist die Lösung, für die sich die meisten grösseren Unternehmen entschieden haben, um die hohen Kosten für die externe Beauftragung von Anwaltskanzleien zu reduzieren.

Für Unternehmen, die in einer stark regulierten oder rechtlich komplexen Branche arbeiten, ist es sinnvoll, Rechtsexperten direkt im Unternehmen zu haben. Die Kehrseite dabei: Es ist oft schwierig talentierte Juristen zu finden und zu halten, und die Kosten für einen zusätzlichen Mitarbeiter mit Urlaubs- und Krankheitsabwesenheiten sind hoch. Der Bedarf für juristische Arbeiten schwankt oft und da oft viele unterschiedliche Rechtsgebiete abgedeckt werden müssen, wird von Zeit und Zeit trotz Inhouse Jurist zusätzlich externes Fachwissen benötigt.

Traditionelle Anwaltskanzleien (für hochkomplexe Transaktionen): Traditionelle Anwälte sind für Rechtsstreitigkeiten und die massgeschneiderte Beratung bei hochkomplexen Transaktionen ausgelegt. Der hohe Preis, den sie für ihre Expertise verlangen, kann sich in kritischen Momenten eines Unternehmens durchaus lohnen. Für die einfacheren Rechtsprojekte und Rechtsgeschäfte fehlen ihnen jedoch oft die Technologie und die Prozesse, um kosteneffiziente Lösungen anzubieten. 

LEXR (Experten Know-how, schnelle Umsetzung, transparente Preise): Wir kombinieren unsere rechtliche Expertise im Tech-, Fintech- und Digitalbereich mit Technologie und neuen Preismodellen, um Expertenleistungen nicht nur schneller, sondern auch mit transparenten Preisen liefern zu können. Für strategische juristische Arbeit greifen wir auf unsere eigenen Experten in unseren Kernbereichen zurück oder helfen Unternehmen auch bei der Auswahl und beim Management externer Experten. Für juristische Projekte kombinieren wir Best-Practice-Vorlagen mit massgeschneiderter Beratung durch unsere Experten, die Unternehmen im gesamten Prozess persönlich begleiten. Für den täglichen Rechtsaufgaben helfen wir Unternehmen, die richtigen Tools, Vorlagen und Prozesse einzurichten, oder übernehmen und optimieren die täglichen Rechtsaufgaben im Monatsabo.  

Zusammenfassung & Ausblick

Recht muss nicht teuer, komplex und zeitaufwändig sein. Mit einem soliden rechtlichen Setup und einem modernen Rechtspartner können sich Unternehmer auf ihr Geschäft konzentrieren, statt auf die juristische Arbeit. In den nächsten Blogbeiträgen werden wir tiefer in die verschiedenen Bereiche eintauchen.

Christian Meisser

By Christian Meisser

lic. iur., MBA

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